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Fr. Schubert: Streichquartett c-Moll
Franz Schubert begann im Dezember 1820 mit der Komposition eines Streichquartetts in c-Moll, von dem nur der erste Satz vollendet wurde. Die Tonart c-Moll prägt mit einem fallenden Quartgang nur die Rahmenteile des Satzes; das Hauptthema steht in As-Dur, das Seitenthema in G-Dur. Diese außergewöhnliche Konstellation bestimmt den ganzen Satz. Von dem Andante, das auf ihn folgen sollte, hat Schubert noch 40 Takte skizziert.
L.v.Beethoven: Streichquartett Nr. 2 e-Moll, op. 59
Ludwig van Beethoven widmete die 1806 komponierten Quartette op. 59 dem Grafen Rasoumovsky, dem russischen Botschafter in Wien. Deshalb zitiert er hier im Trio des Scherzos eine russische Melodie, die auch in der Krönungsszene in Mussorgskys "Boris Godunov" vorkommt.
Im ersten Satz unterbrechen mehrfach Pausen den Fortgang, und das Hauptthema erklingt anfangs nur pianissimo. Man erfährt hörend, wie musikalischer Zusammenhang entsteht und die große Form aufgebaut wird.
Im zweiten Satz erklingt eine weitgespannte, ausdrucksstarke Melodie, bei der Beethoven, so Czerny, an "die Harmonie der Sphären" gedacht haben soll.
Das Finale beginnt nicht in der Grundtonart, sondern in C-Dur und kehrt immer wieder dorthin zurück. Die Grundtonart e-Moll wird erst im Schlussteil gefestigt.
Sandor Veress: Streichquartett Nr. I
Sandor Veress eröffnete sein kompositorisches Werk mit der Klaviersonate von 1929 und dem 1. Streichquartett von 1931. Der erste Satz beginnt mit einer langsamen Einleitung, die zum Zentralton G hinführt. Das frei deklamierende Hauptthema wird mit rascher Figuration kombiniert. Das deutlich ruhigere Seitenthema gleicht einem parlando-rubato-Volkslied und führt am Schluss des Satzes zu einem Rückgriff auf die langsame Einleitung.
Im Mittelsatz entfaltet sich die Melodie im Wechsel von enger Chromatik und weiten Gesten. Im Mittelteil wird der Tonsatz kon-trapunktisch intensiviert.
Im dritten Satz tritt das rhythmische Moment in den Vordergrund. Das Seitenthema hat die Form eines tempo-giusto-Volksliedes. So werden die beiden Grundtypen des ungarischen Volksliedes in dem Werk vergegenwärtigt.
Prof. Dr. Andreas Traub,
Universität Tübingen
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