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Auszüge aus den Liedtexten
(in Übersetzung)
Du Bist Min (Titel 1)
Walther v.d. Vogelweide (zugeordnet)
Du bist min, ich bin din.
des solt du gewis sin.
du bist beslozzen
in minem herzen, verlorn ist daz sluzzelin:
du muost ouch immer darinne sin.
Tandaradei (Titel 3)
Walther v.d. Vogelweide, Originaltitel Unter der linden
Unter der linden an der heide da unser zweier bette was
da mugent ir vinden schone beide gebrochen bluomen unde gras.
vor dem walde in einem tal, tandaradei, schone sanc diu nahtegal.
Ich kam gegangen zuo der ouwe, do was min friedel komen e.
da wart ich enpfangen, here frouwe!
daz ich bin saelic iemer me.
kust er mich? wol tusentstunt.
tandaradei, seht wie rot mir ist der munt!
Do het er gemachet also riche von bluomen eine bettestat.
des wirt noch gelachet innecliche, kumt iemen an daz selbe pfat.
bi den rosen er wol mac, tandaradei, merken wa mirz houbet lac.
Daz er bi mir laege, wessez iemen (nu enwelle got!), so schamt ich mich.
wes er mit mir pflaege, niemer niemen bevinde daz, wan er und ich und ein kleinez vogellin,
tandaradei, daz mac wol getriuwe sin.
Arirang (Titel 9)
Anonymus
Arirang, Arirang, Arariyo, geh über den Arirang-Hügel
wo Ajugari und Kamelie ihre Blüten öffnen.
Warum machen Ajugari und Kamelie sich so schön und öffnen ihre Blüten?
Wen wollen sie verführen?
Die weissen und die roten Bohnen tragen keine Früchte aber Ajugari und Kamelie
Lass uns treffen, lass uns treffen, lass uns treffen unter der Laube aus Ajugari
Aus dem Koreanischen
Anmerkung: Ajugari ist der Rhizinusbaum, Kamelie heisst in Korea Dongbaeck
Chilgap-San (Titel 2)
(Der Berg Chilgap)
Wun-Pa Jo
jene Frau, die Unkraut im Bohnenfeld entfernt!
ihre Hanftuchjacke durchschwitzt sie.
Da sie über die grosse Traurigkeit weint, entfernt sie jeden Kopf von Kraut mit Tränen.
Am Hochzeitstag muss sie ihre Mutter allein zurücklassen.
Auf dem Bergrücken Chilgaps singen auch die Vögel weinend
und diese Gesänge klingen im tiefsten herzen der kleinen Tochter.
Aus dem Koreanischen
Han O Baek Nyeon (Titel 4)
(500 Jahre Groll)
Anonymus
Eine Textübersetzung wie bei Chilgap-San oder Arirang ist hier nicht möglich.
Der Inhalt:
Die Frau beklagt in diesem Lied ihr Schicksal darüber, dass sie jung verheiratet wurde,
was üblicherweise die endgültige Trennung von der Familie bedeutete.
Diese Trennung war so rigoros, dass die Frau oft Vater und Mutter
vor deren Tod garnicht mehr sehen konnte.
Sie bringt hier ihre Gefühle darüber zum Ausdruck, dass der Mann nach der Eheschliessung
direkt in den Krieg ziehen muss und dort umkommt.
Ehrenkodex und Konvention liessen eine neue Ehe für die Frau in Korea nicht zu,
auch aussereheliche Beziehungen waren angesichts eher dörflicher Lebensstrukturen nicht möglich.
Also beklagt die Frau diesen für ihr Leben mit grausamer Endgültigkeit versehenen Schicksalsschlag,
denn sie ist jung und fragt Gott, warum sie nun bis zum Ende ihres Lebens nicht mehr Frau sein darf
und allein bleiben muss.
Diese Frau ist nicht personifiziert, sondern ein Symbol für das Schicksal vieler koreanischer Frauen über Jahrhunderte. In Korea fanden in den letzten 2000 Jahren 937 Kriege statt, also durchschnittlich alle zwei Jahre ein neuer Krieg. Darüber und über die ständige Wiederkehr der gleichen ausweglosen Situation trägt diese Frau die Bitterkeit und den Groll von 500 Jahren (eine genaue Ursprungsdatierung dieses Textes ist nicht nachweisbar) in sich, die sie hier zum Ausdruck bringt.
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