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Georg Friedrich Händel Miriam Allan ~ Sopran Aufführung: Doppel-CD, DDD, KuK 20 |
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Am tiefsten Punkt seiner Karriere angekommen, schrieb Händel das Werk 1742 in nur 24 Tagen. Die Begeisterung, die die Uraufführung in Dublin bei Publikum und Presse hervorrief, hat bis in die Gegenwart hinein nicht nachgelassen. Der Messias" ist heute das populärste und meistgespielte Werk seiner Gattung. |
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Die vorliegende Konzertaufnahme ist Teil eines Zyklus alttestamentarischer Oratorien von G.F. Händel, die im Rahmen der Klosterkonzerte Maulbronn über mehrere Jahre hinweg aufgeführt wurden. Grundlage der Reihe ist die Verbindung barocker oratorischer Musik in historischer Aufführungspraxis mit dem akustisch und atmosphärisch optimal geeigneten Raum der einzigartigen Klosterkirche. Dieser Idealort verlangt geradezu nach der Durchsichtigkeit des Musizierens und der interpretatorischen Freilegung der rhetorischen Gestik der Komposition, wie sie durch die historische Aufführungspraxis in besonderer Weise gewährleistet ist. So wird ausschließlich mit rekonstruierten historischen Instrumenten musiziert, die in der zu Lebzeiten des Komponisten üblichen Tonhöhe gestimmt sind (a = 415 Hz).
Jürgen Budday legt in seiner Interpretation des Messias von G. F. Händel neben der Aufführungspraxis einen wesentlichen Schwerpunkt auf die dynamische Konzeption des Werkes. Zusätzlich zu den dynamischen Angaben im Autograph fügte Händel in der Dubliner Partitur Ripieno-Vorschriften ein und erreichte damit zusammen mit dem Wechsel von Piano und Forte einen hohen Grad von Kontrast und Farbigkeit. Händel schrieb im Messias nicht nur forte, piano und pianissimo vor, sondern beabsichtigte mit mezzopiano und un poco piano eine weitere Differenzierung. Die Ripieno-Vorschriften in der Dubliner Partitur sind bei der Vorbereitung einer Aufführung wohl zu beachten, da sie zum überwiegenden Teil für Händels Konzeption der Dynamik von wesentlicher Bedeutung sind. Als Beispiele seien hierfür die Arien Comfort ye" (Nr. 2), Evry valley shall be exalted" (Nr. 3), die Chöre And the glory, the glory of the Lord" (Nr. 4) und His yoke is easy. His burthen is light!" (Nr. 18) sowie der Anfang des Halleluja" (CD II, Nr. 16) genannt. Die Maulbronner Interpretation nimmt diese dynamische Konzeption ernst und differenziert bei den genannten Nummern zwischen Solo und Ripieno. Dadurch ergeben sich zwangsläufig neue und differenziertere Höreindrücke, wie es beispielsweise am Anfang des Halleluja" deutlich hörbar ist. An anderen Stellen dagegen scheinen Händels Senza Ripieno-Vorschriften von der unzureichenden Fertigkeit seiner Ripienisten her bestimmt und fanden deshalb in der Maulbronner Aufführung keinen Niederschlag. Libretto und Musik für sich und beide als Ganzes bilden eine glückliche Einheit. Das Libretto, welches Charles Jennens zugeschrieben wird, ist keine bloße Zusammenstellung von Bibel-Zitaten. Jennens nahm vielmehr verschiedene Änderungen am Wortlaut der ausgewählten Textstellen vor. Im Zuge verschiedener Aufführungen schrieb Händel zu einigen Arien Varianten, die jeweiligem Anlaß und Gegebenheit Rechnung tragen. Von den Varianten wurden nach sorgfältiger Prüfung jene, die als von Händel bevorzugt gelten können, für die Maulbronner Aufführung ausgewählt. Der Messias wurde als einheitliches Ganzes konzipiert und komponiert und sollte daher auch in seiner vollständigen Form ungekürzt aufgeführt werden. So auch in dieser Aufnahme. Für die einheitliche Konzeption des ganzen Werkes sprechen zahlreiche Kriterien: die Ausgewogenheit zwischen den 23 Chören und den Solonummern; der durch den Wechsel von Secco-Rezitativ, Accompagnato, Arioso und Arie sowie durch das Nebeneinander von homophoner und polyphoner Schreibweise in den Chören erreichte Kontrast; die Sicherheit in der Charakterisierung erst- und zweitrangiger Höhepunkte; die Verbindung von Arie und Chor durch den gleichen Affekt wie beispielsweise in But who may abide the day of His coming" (Nr. 6), und And He shall purify" (Nr. 7). He shall feed His flock like a shepherd" (Nr. 17) und in His yoke is easy, His burthen is light" (Nr. 18) oder durch das gleiche melodische Motiv wie beispielsweise in dem Duett O death, were is thy sting" (CD II, Nr. 21) und dem folgenden Chor But thanks be to God" (CD II, Nr. 22); das Aufsparen der Da-capo-Arie für Momente besonderer Emphase; der Gebrauch der Tonarten, eine gelegentliche dramatische Haltung, wie sie sich in dem Turba-Chor He trusted in God" (Nr. 25) oder Why do the nations" (CD II, Nr. 13) und Let us break" (CD II, Nr. 14) äußert. |
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Mitwirkende
Miriam Allan, Meisterschülerin von Emma Kirkby und Julianne Baird, ist Preisträgerin des Londoner Händel Wettbewerbs 2003. Nach ihrem Studium an der Universität in Newcastle entfaltete sie eine rege Konzerttätigkeit. Mit führenden Chören und Orchestern wie dem Australian Chamber Orchestra und der Sydney Philharmonia hat sie die wichtigsten Werke von Bach, Händel und Purcell aufgeführt. Außerdem und das ist für eine so junge Sängerin eher ungewöhnlich gibt sie auch Liederabende. Diese sind bis jetzt hauptsächlich dem Repertoire des 17. und 18. Jhdts. gewidmet.
Die Karriere von Michael Chance begann, wie die vieler seiner Kollegen, am Kings College in Cambridge, als Altus im wohl berühmtesten englischen Chor. Heute ist er weltweit einer der gefragtesten Countertenöre, und zwar sowohl im Bereich Oper (er sang für Kent Opera beispielsweise den Militärgouverneur in der Weltpremiere von Judith Weirs A Night at the Chinese Opera"), als auch im Bereich Oratorium und Lied. Er ist Gastprofessor am Royal College of Music in London und häufiger Gast in Paris, Amsterdam, Stuttgart und Berlin, USA, Japan und Australien. Zu den Dirigenten, mit denen er regelmäßig zusammenarbeitet, gehören u.a. Frieder Bernius, Frans Brüggen, John Eliot Gardiner und Trevor Pinnock. Etwas ganz Besonderes sind die Liederabende, die Michael Chance zusammen mit dem Gamben-Consort Fretwork, Nigel North und neuerdings auch Roger Vignoles gibt, bei denen er Lautenlieder der englischen Renaissance und häufig auch zeitgenössisches Repertoire hauptsächlich englischer Komponisten singt.
Mark LeBrocq studierte am St Catherines College in Cambridge Englisch. An der Royal Academy of Music gewann er mehrere Preise und Auszeichnungen, u.a. den Blyth Buesset Opera Prize", den Royal Academy of Music Club Prize" und die Worshipful Company of Musicians Meda". Er war als Solist an der English National Opera in London engagiert. Im Lauf der Jahre arbeitete der Tenor mit vielen bedeutenden Regisseuren zusammen, u.a. mit David Alden, David Poutney, Jonathan Miller, Niklaus Lehnhoff, Graham Vick und David Freeman. Regelmäßig tritt er mit dem Gabrieli Consort unter Paul McCreesh auf. Er sang in Bath mit Monserat Caballé und Dennis ONeill bei Verdi-Operngalas, Mozarts und Verdis Requiem im Barbican Centre sowie das Mozart-Requiem mit The English Concert unter Trevor Pinnock in Salzburg.
Christopher Purves studierte bei David Keren und Diane Forlano Gesang. Er gab sein Solodebut 1988 beim Festival in Aix-en-Provence in einem Mozart-Konzert mit dem Ensemble The Sixteen unter der Leitung von Harry Christophers. Er trat als Solist in zahlreichen Opern (z.B. von Mozart und Monteverdi) sowie großen Oratorien von Händel auf. In Maulbronn wirkte er bereits bei Judas Maccabäus mit. Seine Konzertengagements führen ihn zusammen mit Ensembles und Dirigenten wie The Sixteen, Herreweghe, Hickox, Gabrieli Consort Covent Garden, John Taverner und Academy of Ancient Music in die großen Konzertsäle der ganzen Welt.
Jürgen Budday ist Kirchenmusikdirektor und künstlerischer Leiter der |
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Georg Friedrich Händel (1685-1759) Das Libretto in englisch mit deutscher Übersetzung: Der Messias nimmt im Schaffen Händels eine einzigartige Sonderstellung ein. Wenn er auch nicht unbedingt den absoluten Höhepunkt darstellt - in dieser Beziehung könnten ihm manche andere Oratorien den Rang durchaus streitig machen - so hebt er sich als berühmtestes Werk Händels aus seinem monumentalen Gesamtschaffen heraus durch seinen stark allgemeingültigen Charakter und zugleich durch die konkrete Art seiner Aussage, die Menschen der verschiedenen Weltanschauungen in ihren Bann zwingt. In England fand der junge Meister, der in Italien der katholischen Kirchenmusik begegnet war, die Tradition der Anthems vor, die besonders seit Henry Purcell als Krone der englischen Kirchenmusik angesehen wurden. Passion, Kantate, Anthem, Oper, Instrumentalmusik - also alle wichtigen musikalischen Gattungen seiner Zeit - waren Grundlage für Händels neue Kunstform, die sich seit Ende der dreißiger Jahre immer stärker ausbildete und im Messias eine besonders vielgestaltige Verwirklichung fand. Zweifellos ist dieses Oratorium ein Kunstwerk eigenen Charakters: durch den Stoff, der neben liturgische Traditionen volkstümliche Elemente stellt, durch den Formaufbau, der in lebhafter Wechselfolge Elemente der Oper, der Kantate, des Konzerts und des Anthems in sich vereinigt, durch die musikalische Gestaltung, welche die verschiedenen Stile verbindet und dramatisch nebeneinander stellt, durch den künstlerischen Ausdruck selbst, der an Stimmungsgewalt nicht seinesgleichen hat. Im Messias vereinen sich ebenso Konzert und Oper in außerordentlich fruchtbarer Weise wie höchste Kunst und reifste Kompositionstechnik mit edelstem Ideengut. Die Vermutung, Händel habe Jennens den Stoff des Messias vorgeschlagen und die Idee sei der Liebe zu seiner verstorbenen Schwester entsprungen, deren Lieblingstext I know that my Redeemer liveth" (Ich weiß, dass mein Erlöser lebet) gewesen war, könnte zutreffen, ist jedoch nicht sehr wahrscheinlich. Möchte Händel auch den Erzbischöfen entgegengehalten I have read my Bible very well and will choose for myself" und Morells Verse verworfen haben, sein Verhalten gegenüber Jennens ist nach ihrer Korrespondenz das eines Künstlers gegenüber seinem Patron. In einem Brief vom 19. Juli 1744, also fast drei Jahre nach der Komposition des Messias, schrieb Händel an Jennens: ... be pleased to point out those passages in the Messiah which you think require altering". Wir verdanken den Messias also weder der Verbitterung, die Händel wegen des Fehlschlags seiner Opernunternehmen empfunden haben mag, noch einem Suchen nach geistlicher Tröstung oder Liebe zu seiner verstorbenen Schwester; allein der Umstand, daß Jennens ihm das Libretto zum Messias vorgelegt hat, gab den Anstoß zur Komposition. Die Annahme, Händel habe den Messias für seine Reise nach Irland komponiert - wohin ihn William Cavendish, Herzog von Devonshire und Statthalter von Irland, eingeladen hatte, zugunsten wohltätiger Einrichtungen seine Werke aufzuführen - wird durch eine Anzeige in Faulkners Dublin Journal bestätigt: ..wellwishers to this Noble and Grand Charity for which this oratorio was composed ..." Obwohl Händel im November 1741, wenige Wochen nach Vollendung des Messias, nach Irland reist, kündigte er ihn erst im April 1742 an. Die erste Aufführung fand am 13. April in Neales Music Hall in der Fishamble Street in Dublin statt, nachdem das Werk bereits am 9. April in einer öffentlichen Probe zu hören war. |
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Hannoversche Hofkapelle Marleen Goede Uter - Konzertmeisterin
Sopran: Alt: Tenor: Bass: |
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Zur Edition
Die Konzerte im Kloster Maulbronn, die wir in dieser Edition dokumentieren, bieten in vielfacher Hinsicht die idealen Voraussetzungen für unser Bestreben. Es ist wohl vor allem die Atmosphäre in den von romantischem Kerzenlicht erhellten Gewölben, der Zauber des Klosters in seiner unverfälschten sakralen Ausstrahlung und Ruhe, die in ihrer Wirkung auf Künstler und Publikum diese Konzerte prägen. Renommierte Solisten und Ensembles der grossen internationalen Bühnen sind gerne und vor allem immer wieder hier zu Gast - geniessen es in der akustisch und architektonisch vollendeten Schönheit des Weltkulturerbes (Klosterkirche, Laienrefektorium, Kreuzgang, etc.) in exquisiten Aufführungen weltliche und sakrale Werke darzubieten. Unter der Schirmherrschaft des evangelischen Seminars werden seit 1968 die Klosterkonzerte Maulbronn in ehrenamtlicher Leitung und mit grossem musikalischem Enthusiasmus ausgerichtet. In den ehrenwerten Mauern des altsprachlichen Gymnasiums mit Internat, welches seit nunmehr 450 Jahren besteht, haben grosse Denker, Dichter und Humanisten unserer Gesellschaft wie Kepler, Hölderlin, Herwegh und Hesse ihre erste Prägung erfahren. Der jugendliche Elan, das konstruktive Mitwirken der Schüler, die sich in der Tradition ihrer grossen Vorgänger sehen, bewirkt ein menschliches Klima, in dem die künstlerische Motivation in besonderer Weise erblüht. Zwischen Mai und September finden 25 Konzerte statt zu deren Gelingen letztendlich viele ehrenamtliche Helfer aus nah und fern beitragen, dann folgt die Winterpause (das Kloster ist nicht beheizt!) Blühende Kultur in einem lebendigen Denkmal, dem Publikum vor Ort und nicht zuletzt auch Ihnen zur Freude, sind somit jene Werte welche wir in dieser Reihe dokumentieren. Andreas Otto Grimminger & Josef-Stefan Kindler |